Die Lehren aus Corona und wie wir gestärkt aus der Krise herausgehen – beliebte Topics, die aktuell durch die Medien schwirren und den etwas unbeholfenen Versuch repräsentieren, Lesern und Zuschauern die Vorzüge von Homeoffice und Pleitewelle schmackhaft zu machen. Und dennoch schwingt in diesen Meldungen stets ein Fünkchen Wahrheit mit. Neben den Chancen der weltweiten Digitalisierungsmaßnahmen besteht nämlich auch die Möglichkeit eines Konsumwandels.

Wurst- und Fleischprodukte stehen aktuell alles andere als unter einem guten Stern. Als Hotspots des mitunter tödlichen Covid-19 gerieten in den vergangenen Wochen zahlreiche Schlachthöfe aufgrund der teils katastrophalen Hygienebedingungen in die Schlagzeilen. Gedrängt auf wenige Quadratmeter verrichteten dort meist Wanderarbeiter aus Osteuropa ihre Arbeit im Akkord. Die von Subunternehmen organisierten Unterkünfte boten ebenso wenig Raum für Regeneration und begünstigten durch den Mangel an Sanitäranlagen die Verbreitung der Infektion. Umso paradoxer erscheint die Situation, bedenkt man, woher die Pandemie stammt.

Die Zoonose Corona: eine Gefahr der Moderne

Es wäre an dieser Stelle falsch, sich auf dem Verdacht auszuruhen, der Virus wäre auf einem Wildtiermarkt ausgebrochen oder eine außer Kontrolle geratene Biowaffe aus Wuhan. Tatsache ist jedoch, dass das Lungenleiden den sogenannten Zoonosen zugeschrieben werden kann. Die von Tieren auf den Menschen übertragenen Infektionskrankheiten können mittlerweile auf eine lange Geschichte zurückblicken. Von EHEC über die Schweinegrippe bis hin zum Rinderwahnsinn; beinahe jede Dekade wartet mittlerweile mit einem neuen Krankheitserreger auf.

Doch Zoonosen sind kein Phänomen, dem der Mensch schutzlos ausgeliefert ist. Im Gegenteil: es liegt einer Verkettung unterschiedlichster Entwicklungen der Moderne zugrunde, dass Jahr für Jahr neue Infektionskrankheiten dieser Art aufkeimen. Die Entwicklung neuer Erreger wird so größtenteils durch die klimatischen und ökologischen Folgen der globalen Erderwärmung begünstigt. Durch das Vorrücken des Menschen in immer entlegenere Regionen werden nicht nur die örtliche Flora und Fauna langfristig zerstört. Der globale Waren- und Reiseverkehr ermöglichen darüber hinaus die Verbreitung neuartiger Infektionskrankheiten über Kontinente hinweg.

Wie Covid-19 die Fleischindustrie in die Knie zwängt

Umstände, die bekanntermaßen auch die Fleischindustrie betreffen. Durch die Standardisierung der Lebensmittelproduktion hin zur industriellen Massentierhaltung ist das Aufkommen neuer Erreger bereits vorprogrammiert. Weite Transportstrecken und ein großflächiger Vertrieb tierischer Produkte sind allerdings notwendig, um den Hunger des Markts zu stillen. Dabei wäre eine Lösung des Problems so einfach: weniger ist mehr.

Im Alltag können Masken schützen, in Lebensmittelbetrieben reichen sie allerdings oftmals nicht aus

Wer hätte gedacht, dass eine Pandemie im Stil von Corona das lang ersehnte Umdenken im Konsumverhalten erwirkt. Egal ob Westfleisch in Nordrhein-Westfalen oder der Megakonzern Tyson Foods in Springdale. Mit den Dysfunktionen innerhalb der Fleischproduktion konfrontiert zu werden, wirkt mittlerweile echt unsexy. Den Verbrauchern drängt sich zunehmend die Frage auf, inwiefern wir Fleisch überhaupt noch brauchen. Schließlich ist die Entwicklung der Menschheit kaum noch von der Proteinzufuhr durch das erlegte Wild abhängig, sondern vielmehr vom Schutz unserer Umwelt. Und tatsächlich sagen immer mehr Verbraucher Nein zu Fleisch. Dementsprechend hoch ist zum aktuellen Zeitpunkt die Nachfrage nach rein pflanzlichen Produkten. Während beispielsweise Fast-Food-Ketten wie Wendy`s unter den ersten Burgerfleisch-Engpässen leiden, schießen die Absätze vom veganen Fleischersatzprodukt Beyond Meat durch die Decke.

Wie lassen sich Pandemien zukünftig eindämmen?

Selbst die Politik räumt mittlerweile die ein, die Verstöße gegen Hygiene- und Arbeitsstandards in zahlreichen Schlachthöfen nicht ausreichend untersucht zu haben. Bereits erste Betriebe wurden so aufgrund der Folgen dieser katastrophalen Zustände geschlossen. Doch hierbei handelt es sich um keine dauerhafte Lösung. Probleme werden vielmehr auf die Seite geschoben und tausende Wanderarbeitern im Regen stehengelassen. Vielmehr bedarf es einer kompletten Umstrukturierung der tendenziell kapitalistischen Lebensmittelindustrie.

Selbstverständlich ist der vegane Lebensstil nicht das Allheilmittel gegen Seuchen wie Corona. Nichtsdestotrotz könnte eine weltweite Reduktion des Fleischkonsums eine Masse an positiven Effekte für unsere Umwelt mit sich bringen und darüber hinaus das Risiko eines erneuten Pandemieausbruchs deutlich reduzieren. Eine geringere Nachfrage würde bedeuten, der Markt wäre nicht mehr von tierischen Produkten aus dem Ausland abhängig, weniger gefährdete Waldflächen würden Land Grabbing zum Opfer fallen, der Klimawandel könnte gestoppt werden…die Liste ließe sich wahrscheinlich endlos fortführen.