Wieder einmal steht ein Geburtstag an und wieder einmal freut sich das gesamte Büro auf Sekt und Kuchen. Die Kollegin, breit grinsend ein riesiges Blech Bienenstich in der Hand haltend, steuert geradewegs auf einen zu. Prompt macht sich Nervosität breit. Auf der einen Seite steht das Bedauern, das Angebot ausschlagen zu müssen, auf der anderen Seite die große Furcht vor den sich wiederholenden Fragen.

„Nein danke, ich ernähre mich vegan.“ Sobald diese Worte gesprochen sind, scheint es, als habe man gerade veröffentlicht, unter einer unheilbaren Krankheit zu leiden. Woher bezieht der Körper dann seine Proteine? Kann man mit Grünzeug und Körnern überhaupt seinen Kalorienbedarf decken? Und ist das wirklich gesund?

Die Reaktion ist irgendwie verständlich – schließlich werden wir von der Kindheit an darauf getrimmt, dass Milch gut für die Knochen sei und ein richtiger Sportler nur mit tierischen Eiweiß Höchstleistungen erbringen kann. Dabei gibt es doch unzählige Argumente für eine pflanzliche Ernährung.

Zuvor sollte allerdings festgehalten werden, dass der reine Verzicht auf tierische Lebensmittel noch lange nicht der Schlüssel zum Erfolg ist. Denn auch Veganer können im klassischen Sinne ungesund leben, wenn sie sich nur mit Gemüsechips und Oreos (ja, auch die sind vegan) vollstopfen. Die Prämisse lautet also, einen ausgewogenen Speiseplan einzuhalten und sich hin und wieder sportlich zu betätigen.

Benefits für den eigenen Körper

Nun soll es aber ans Eingemachte gehen. Die unangefochtene Nummer 1 der Argumente für eine komplett oder zumindest teilweise pflanzenbasierte Ernährung ist das verringerte Risiko, einer Zivilisationskrankheit zu erliegen. Hierzu zählen beispielsweise koronare Herzkrankheiten, Diabetes, Osteoporose und natürlich Adipositas, auch bekannt als Übergewicht.

Wer sich rein pflanzlich ernährt, achtet im Idealfall per se darauf, sich gesund zu ernähren. Die Folge: der durchschnittliche BMI von Personen, die dem veganen Lebensstil folgen, entspricht sehr viel häufiger der empfohlenen Norm. Eine ausreichende Versorgung mit Ballaststoffen sowie die geringere Aufnahme von tierischen Proteinen und Fetten unterstützen dabei den Prozess, langfristig fit und schlank zu bleiben.

Stichwort tierische Fette: wer auf Butter, Speck und Co. verzichtet, läuft auch seltener Gefahr, kardiovaskulären Erkrankungen wie Bluthochdruck, einem Herzinfarkt oder einem Schlaganfall zum Opfer zu fallen. In einigen Fällen lässt sich diese Risikowahrscheinlichkeit sogar auf den Faktor 0 minimieren.

Zur großen Nährstoffmangel-Frage

Der Grund für diese ganze Verwirrtheit rund um die Nährstoffzufuhr der stereotypischen Veganer*Innen liegt darin, dass wir es bis dato nicht anders gewohnt sind, als beispielsweise Proteine aus Fleisch zu beziehen. Fällt das Fleisch weg, fallen auch die Proteine weg. Diese Rechnung scheint simpel, geht aber leider nicht ganz auf. Denn der tägliche Nährstoffbedarf eines Menschen lässt sich genauso gut gesund mit pflanzlichen Lebensmitteln decken.

Fangen wir also, weil es gerade Thema war, mit Proteinen und Fetten an. Nun gut, die tierische Variante wird wahrscheinlich kein Anhänger des veganen oder vegetarischen Lebensstils zu sich nehmen wollen. Warum aber auch? Schließlich sind ungesättigte Fettsäuren, wie sie in Nüssen, pflanzlichen Ölen oder Avocados enthalten sind, allgemein dafür bekannt, dass sie das LDL-Cholesterin und den Pegel an Trigglyzeriden im Körper, wie bereits erwähnt die Ursachen für Schlaganfälle und Herzinfarkte, langfristig senken.

In Sachen Proteine sind Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und einige Gemüsesorten wahre Eiweißbomben. Zahlreiche Leistungssportler berichten so, seit der Umstellung auf eine vegane Ernährung im Durchschnitt leistungsfähiger und fitter zu sein. Ausreichend Obst und Gemüse, die Vitaminlieferanten schlechthin, on top und die Nährstoff-Frage sollte fürs Erste ad acta gelegt werden können.

Von wegen trocken und langweilig – vegan kann sehr viel mehr

Gesund vegan: Was es zu beachten gilt

Nichtsdestotrotz sollte allen Veganer*Innen beziehungsweise Vegetariern*Innen Folgendes ans Herz gelegt werden: selbst wer sich pflanzenbasiert ernährt, kann immer noch einem ungesunden Lebensstil folgen, solange sich nicht vom Couchpotatoetum verabschiedet wird. In diesem Sinne: ein ausgeglichenes Verhältnis von Ballaststoffen, pflanzlichen Eiweißen und Fetten sowie Vitaminen ist Pflicht. Initiativen wie Peta leisten mit eigens entwickelten Ernährungsplänen bereits Hilfestellung für Vegan-Einsteiger. Selbstverständlich lässt sich die bunte Palette pflanzenbasierter Kost aber am besten auf eigene Faust erkunden!