Selten wurden Lebensmittel tierischen Ursprungs in einem solchen Ausmaß konsumiert, wie es derzeit der Fall ist. Seit den 70er-Jahren hat sich der Fleischkonsum weltweit verfünffacht. Nicht umsonst werden Fleisch- und Milchprodukte für den weltweiten Export also gerne mit hohen Summen durch die EU subventioniert. Möglichst viel zu möglichst geringen Preisen produzieren ist dabei die Devise.

Natürlich wächst Fleisch nicht an Bäumen. Es bedarf also zunächst nahrhaften Futtermitteln, um Hühner, Schweine und Rinder binnen kürzester Zeit zu einem brauchbaren Produkt heran zu züchten. Die Böden hierzulande sind leider nicht für den Anbau von Gewächsen, die nicht gerade zu den gängigen Getreidesorten zählen, geschaffen. Doch die Rettung in der Not kommt bereits aus Südamerika eingeflogen: Soja. Der im asiatischen Raum beheimatete Hülsenfrüchtler wächst unglaublich schnell und bietet einen kostengünstigen und nahrhaften Eiweißlieferanten für Nutztiere aller Art.

Der Regenwald verschwindet, die Monokulturen wachsen

Um dem Anbau dieser Nutzpflanze allerdings ausreichend Platz zu schaffen, fallen Millionen von Hektar bedrohten Regenwalds der Zerstörung durch Rodung und Abbrennen zum Opfer. Ein Prozess, welcher Tonnen an Treibhausemissionen freisetzt, wertvolle Kohlenstoffsenken langfristig eliminiert und gefährdete Ökosysteme ausrottet. Doch nicht nur der Wald schrumpft von Sekunde zu Sekunde, sondern auch die Lebensgrundlage der ländlichen und teils indigenen Bevölkerung.

Landraub oder auch Land Grabbing steht im sogenannten Sojagürtel Südamerikas mittlerweile an der Tagesordnung. Es handelt sich hierbei um Maßnahmen, die ohne Instabilität und Korruption innerhalb der lokalen Regierungen wohl kaum realisierbar wären. Sobald nämlich das große Geld von Großunternehmen wie Monsanto oder Bayer lockt, scheinen Welthunger und Menschenrechte irrelevant. Eine Entwicklung, die die Existenzsicherung unzähliger Gemeinden in Südamerika aufs Spiel setzt.

Der Hype kommt nicht von irgendwoher, denn Soja ist ein unglaublich vielseitiges Produkt und nicht umsonst wichtiger Bestandteil der vegetarischen oder veganen Ernährung. Wer nun mit dem erhobenen Finger gegen pflanzenbasierte Ernährungsformen wettern möchte, dem sei gesagt: 90 % aller europäischen Soja-Importe sind für die Tierhaltung bestimmt. Der direkte Konsum der Hülsenfrucht macht nämlich nur das Minimum aus. Ein Großteil der uns bekannten Produkte aus dem Supermarkt bezieht seinen Soja, die Defizite in Übersee erkennend, vielmehr vom eigenen Kontinent.

Der Landraub und seine Folgen

Die Situation im Sojagürtel Südamerikas verschärft sich hingegen zunehmend. Betroffen sind vor allem Argentinien, Brasilien und Paraguay, dessen ländlicher Bevölkerung durch ausländische Investoren die Existenz geraubt wird. Der Anbau im Monokultur-Format auf mehr als 50 Millionen Hektar Land trägt dabei erheblich zur Auslaugung der Böden und der Verunreinigung des Grundwassers bei. Eine Rückkehr zum ursprünglichen Ökosystem ist so für die kommenden Jahrzehnte ein Ding der Unmöglichkeit. Und auch die Gesundheit der Anwohner umliegender Gemeinden ist inzwischen in Gefahr. Der Einsatz von Pestiziden wie Glyphosat steht so in enger Verbindung mit der gestiegenen Zahl an Hirntumoren, Krebs und Leukämie.

Wem das Land nicht genommen wird, hat währenddessen unter den wirtschaftlichen Folgen der industrialisierten Tierzucht zu leiden. Die europäische Agrarindustrie produziert bekanntermaßen nicht nur für den eigenen Bedarf, sondern auch für den Export nach – ganz genau – Südamerika. Durch die Fleischproduktion in Massen ist der Preis dementsprechend niedrig zu verzollen. Dumpingpreise, mit denen die Waren der Kleinbauern natürlich nicht mithalten können.

Doch warum deckt die europäische Massentierhaltung seinen Bedarf ausgerechnet mit einer Nutzpflanze, die am anderen Ende der Welt und unter den fragwürdigsten Bedingungen angebaut wird? BSE ist ohne Frage einer der ausschlaggebenden Gründe. Das Auftreten der unter dem Namen Rinderwahnsinn bekannt gewordenen Seuche führte zu einem Verbot der Verfütterung von Tiermehl. Das Alternativprodukt Soja ist ähnlich nahrhaft und kann den Nutztieren (hin und wieder mit der Unterstützung von genmanipuliertem Saatgut) zum enormen Wachstum verhelfen.

Zum Schutz von Nutzpflanzen sind Pestizide ein beliebtes Hilfsmittel.

Den Ungleichheiten entgegenwirken

Ein Großteil der europäischen Soja-Importe endet in den Trögen der Massentierhaltung. Doch selbstverständlich bestimmt nicht nur die Futtermittelproduktion das Ausmaß des weltweiten Landraubs. Das Phänomen tritt schließlich immer dann auf, wenn wertvolle Rohstoffe im Spiel sind. Ein altbekanntes Beispiel ist das Palmöl. Als Basis von Lebensmitteln, Cremes und dem vermeintlichen Biosprit kommt kaum noch ein Produkt ohne das Pflanzenöl aus. Das flüssige Gold raubt aktuell vor allem der ländlichen Bevölkerung Südostasiens, Südamerikas und Teilen Afrikas die Lebensgrundlage.

Um dieser weltweiten Ungleichheit entgegenzuwirken setzen sich seitdem Organisationen wie die Welthungerhilfe für die Rechte ruraler Gemeinden in staatlichen Entscheidungsprozessen ein. Großinvestoren werden so verpflichtet, sämtliche Auslandsgeschäfte offen darzulegen und sich regelmäßig einer Überprüfung auf die Einhaltung der Richtlinien zu unterziehen. Doch auch im kleinen Rahmen lässt sich bereits viel erreichen. Eine Reduktion des Fleischkonsums könnte bereits den bedarf an importierten Soja senken, die Existenz zahlreicher Kleinbauern sichern und zum Erhalt des Regenwalds beitragen.