Der obligatorische Wocheneinkauf steht an. Bereits mit dem Einrollen in den Supermarkt strahlen den Verbraucher*innen die ersten Sonderangebote entgegen. Alles sieht, fein drapiert und ins beste Licht gerückt, unglaublich appetitlich und schmackhaft aus. Hier eine Packung Käse, dort noch eine Schale Erdbeeren – und schon ist nicht nur das Budget, sondern auch der Platz im Kühlschrank gesprengt. Bereits nach wenigen Tagen ist die Enttäuschung allerdings groß, denn die ersten Beeren fangen an zu schimmeln und der Käse scheint ins Schwitzen zu kommen. Doch was gehört in den Müll und was ist noch genießbar? Die große Frage rund um das Thema Lebensmittelverschwendung wird sich heutzutage leider immer seltener gestellt. Circa ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel finden so ihr trauriges Ende in der Tonne.

Wer wirft weg?

Lebensmittelverschwendung durch den Verbraucher ist leider nur der Gipfel eines kompletten Produktionszyklus, der geprägt ist von einer selbstverständlichen Wegwerfmentalität. Egal ob in der Landwirtschaft, der verarbeitenden Industrie oder dem Groß- und Einzelhandel. Die Entsorgung von Tonnen an Lebensmitteln ist stets auf die gleichen Ursachen zurückzuführen. Nicht selten ziehen Fehler in Transport und Lagerung unliebsame Nebeneffekte wie Schädlingsbefall oder schlicht und einfach frühzeitiges Verfaulen der Lebensmittel mit sich. Und selbst wenn das Produkt die scheinbar endlose Odyssee in die Regale der Groß- und Einzelhandelsketten überstehen sollte, ist das rettende Land noch lange nicht erreicht.

Von den strengen Hygienevorschriften, über spezifische Kundenwünsche bis hin zu ausgefallenen Produktvorgaben durchlaufen Lebensmittel einen strengen Selektionsprozess. Ist der Apfel nicht rot genug oder der Kürbis nicht rund genug, heißt es: durchgefallen. Im Kampf um das perfekte Produkt siegt oftmals die Optik. Geschmack und Wertigkeit werden dabei gerne mal außer Acht gelassen.

Ein weiteres Problem, welches auch die Gastronomie betrifft, ist die Kalkulation der benötigten Mengen. Selbstverständlich verleitet die Überproduktion automatisch zu gesteigerten Abnahmemengen. Schließlich leben wir im Überfluss; warum also Einsparung im Einkauf machen? Bedauerlicherweise führen Denkmuster wie diese jährlich zu einer Entsorgung von rund 2,5 Millionen Tonnen Lebensmitteln in Supermärkten und Restaurants.

Lebensmittel retten statt verschwenden

Auch wenn die Chronologie der Lebensmittelverschwendung wie ein unzugängliches Konglomerat wirkt, in diesem die Macht des Verbrauchers gerade mal den Faktor 0 beträgt, gilt auch hier: jede Aktion zählt. Simple Tricks im Alltag können bereits die Menge an Nahrungsmitteln, die unangetastet im Müll landen, auf ein Minimum reduzieren.

1. Bewusst einkaufen

Einkaufszettel können nicht nur eine unglaublich hilfreiche Gedächtnisstütze sein, sondern auch die Gefahr unnötiger Hamsterkäufe reduzieren. Schließlich muss es nicht immer die Großpackung zu einem unverschämten Spottpreis sein, von der allerdings ein Drittel nicht rechtzeitig verbraucht wird und final in der Tonne landet. Wer sich also die Zeit nimmt, seinen Wocheneinkauf zu planen, reduziert Einkaufs- und Konsumstress. Stichwort bewusst einkaufen: wem die entsprechende Auswahl offen steht,  sollte eher zu regionalen Produkten greifen. Denn auch beim Transport aus Übersee fällt ein nicht unerheblicher Bestandteil der Lebensmittel den Müllschluckern zum Opfer.  

2. Nicht zu streng sein

Ist der Einkauf erst einmal verstaut, sticht es wieder einmal viel zu spät ins Auge: das Mindesthaltbarkeitsdatum. Die Angst vor Salmonellen und Co. veranlasst die Verbraucher*innen oftmals zur Entsorgung noch bekömmlicher Lebensmittel. Die Ursache hierfür liegt in der Fehlinterpretation des Begriffs Mindesthaltbarkeitsdatum. Entgegen der gängigen Meinung dient dieses nämlich nur als Anhaltspunkt, wie lange das Produkt seine ihm typischen Eigenschaften beibehält.

Wohl kaum ein Schimmelpilz hat sich bisher einen Timer gestellt, zu welcher Zeit er zu wachsen hat. Wer also fähig ist, zu riechen und zu schmecken, sollte sich dieser Sinne auch bedienen. Vorsicht ist allerdings beim Verbrauchsdatum geboten: Lebensmittel mit einem solchen Hinweis (hierbei handelt es sich größtenteils um Nahrungsmittel tierischer Herkunft) sollten tatsächlich bis zum empfohlenen Zeitpunkt verbraucht werden, da der Konsum ansonsten ernsthafte gesundheitliche Risiken bergen kann.

3. Sharing is caring

Lebensmittel zu verbrauchen scheint so einfach, stellt sich teilweise jedoch als wahre Challenge heraus. Gewusst wie ist an dieser Stelle die Devise. So lohnt es sich beispielsweise, Gemüse wie Brokkoli mit Stumpf und Stiel zu verarbeiten (denn nicht nur die Röschen sind genießbar),  hin und wieder einen Tag einzubauen, der voll und ganz dem Restekochen gewidmet ist oder auf das gute alte Einkochen zurückgreifen.

Wenn allerdings der eigene Appetit überschätzt wurde und ein Großteil der liebevoll zubereiteten Mahlzeit auf dem Teller zurückbleibt, was dann? Kochen und gemeinsam essen ist bekanntermaßen Socializing pur. Aber auch über den Tellerrand hinaus können neue Kontakte geknüpft werden. Trends wie Foodsharing machen gerade die Runde und legen den Verbrauchern den Wert von Nahrungsmitteln nahe. Was der Eine nicht mehr braucht, über das freut sich vielleicht der Andere. Und ein weiterer Backup-Plan, der in der allergrößten Not immer funktioniert: Einfrieren.

Auch krummes Gemüse und vollreifes Obst haben das Recht, auf dem Teller zu landen

Lebensmittel retten und das Klima schützen

Auch wenn wir in einer Überflussgesellschaft leben, ist der Zustand des Dauerkonsums für die Zukunft nicht wirklich das Wahre. Während auf der einen Seite des Erdballs Menschen Hunger leiden und Landraub in Ländern wie Brasilien an der Tagesordnung steht, landen auf der anderen Seite tonnenweise Nahrungsmittel im Abfall. Und auch das Klima bleibt von unserem enormen Verbrauch nicht verschont. Rund 30% der globalen CO2-Emissionen sind dementsprechend der Lebensmittelproduktion zuzuschreiben, die reine Lebensmittelverschwendung setzt wiederum über 3 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr frei. Was für ein Glück also, dass bewusst einkaufen und kochen keine Wissenschaft und ohne Probleme in den Alltag integrierbar ist.