Äpfel aus Argentinien, Tomaten aus Italien und Zucchini aus Spanien. Der alltägliche Gang in den Supermarkt lässt uns nicht selten die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Wer Produkte aus den heimischen Landen beziehen möchte, bei dem ist die Enttäuschung oftmals groß. Denn regional einkaufen kann sich weitaus schwieriger gestalten, als gedacht. Zwar werben namenhafte Supermarktketten mit Werbesprüchen wie „direkt vom Bauern“. Die schwammige Definition des Begriffs Regionalität eröffnet den Verbraucher*innen allerdings kaum genauere Informationen über Faktoren wie Lieferketten und Herkunft.

Doch warum erfreut sich eine Markenstrategie à la Regional einkaufen und Gutes tun aktuell so großer Beliebtheit? Beeinflusst durch das wachsende Umweltbewusstsein in unserer modernen Gesellschaft steht an allererster Stelle natürlich der Klimaschutz. Lebensmittel, die aus der nächsten Umgebung stammen, unterstützen nicht nur die lokale Landwirtschaft, sondern hinterlassen einen sehr viel kleineren CO₂ -Fußabdruck als beispielsweise die Tropenfrüchte aus Übersee. Ein Faktor, der natürlich auch der Frische der Produkte zugutekommt.

Die Krux regional zu konsumieren

Regional ist allerdings nicht zwingend gleichzusetzen mit einer besseren ökologischen Verträglichkeit. Denn auch in Österreich oder Deutschland stehen Dysfunktionen wie die Missachtung von Tierschutzstandards an der Tagesordnung. Eine Problematik, die jedoch sehr viel schwerer wiegt und sämtliche Debatten rund um das Thema Produktherkunft stets in den Fokus rückt, ist Folgende: der Terminus Regional ist kein gesetzlich definierter Begriff. Kein Wunder also, dass es das Olivenöl aus dem Spreewald bis in die Supermarktregale geschafft hat. Um das Vertrauen in Regionalität allerdings nicht vollends zu verlieren und uns vor Augen zu halten, dass das Konzept bei richtiger Durchführung eine ganz wunderbare Idee ist, lohnt sich ein Blick auf die Dos and Don’ts des regionalen Einkaufens.

Auf diese Kennzeichnungen ist Verlass

Tag für Tag rollt eine neue Flut an vermeintlich relevanten Siegeln, Zertifikaten und Kennzeichen auf den Verbraucher zu. Schnell stellt sich die Frage: welche Markierung ist nun seriös und welche lediglich gut kalkuliertes Marketing? Glücklicherweise muss die Flinte nicht direkt ins Korn geworfen werden. Schließlich existiert eine breite Palette an Kennzeichen, auf die stets Verlass ist.

Der Eiercode zählt wahrscheinlich zu den am einfachsten identifizierbaren Produktkennzeichnungen. Der große Vorteil: neben dem genauen Bundesland lässt sich zudem die Haltungsform herauslesen. Während die Ziffer 0 beispielsweise eine rein ökologische Erzeugung markiert, sind Eier mit der aufgedruckten Ziffer 3 mit Vorsicht zu genießen. Diese stammen nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit aus Käfighaltung.

Weniger produktspezifisch und gültig in der gesamten EU greift wiederum die geschützte Ursprungsbezeichnung (auch g.U). Das eingetragene EU-Kennzeichen kennzeichnet Lebensmittel, welche nach festgelegten Kriterien in einer spezifischen Region erzeugt, verarbeitet und hergestellt werden. Ein Beispiel, das uns wahrscheinlich allen bekannt ist: Parmesan. Der würzige Hartkäse unterliegt dem Schutz der Ursprungsbezeichnung Parmigiano Reggiano und darf somit nur in ausgewählten Regionen Norditaliens hergestellt werden. Aber Obacht: das Kürzel g.U. ist nicht gleichzusetzen mit dem Kürzel g.g.A.. Zwar impliziert die geschützte geografische Angabe ausgewählte Spezialitäten regionaler Herkunft, allerdings muss sich diese Regionalität lediglich auf eine Stufe der Produktionskette beziehen.

Als lokale Pendants der g.U. helfen Siegel ausgewählter Regionalinitiativen bei der Auswahl regionaler Lebensmittel, da diese oftmals für Zusammenschlüsse ortsansässiger Erzeuger, Verarbeiter und Gastronomen stehen. Ähnlich verhält es sich mit dem vor allem in Deutschland stark vertretenen Qualitätszeichen einzelner Bundesländer. Diese versichern nicht nur die Lebensmittelherkunft aus nächster Nähe, sondern sprechen sich außerdem für festgelegte Produktionskriterien aus, um die örtliche Flora und Fauna zu schützen.

Äpfel werden beinahe überall in Mitteleuropa angebaut

Auf diese Kennzeichnungen ist KEIN Verlass

Zugegebenermaßen ist es nicht ganz einfach, sich im Urwald an Regionalkennzeichnungen zurechtzufinden. Umso wichtiger ist es, ein Auge auf ebendiese vermeintlichen Siegel zu werfen, auf die nur wenig Verlass ist. Was quasi aus der Nachbarschaft stammt, wirkt natürlich automatisch transparent und vertrauenswürdig. Eine Idee, die sich die kreativen Köpfe der Marketingbranche gerne zu Nutzen machen und den Begriff Regional prompt zu einem neuen Trend heraufbeschwören. Sobald sich das Werben mit der Nähe also als essenzieller Bestandteil einer groß angelegten Kampagne erweist, jedoch keine genauen Verweise auf die Herkunft der Lebensmittel erkennbar sind, lohnt es sich immer, zweimal nachzufragen. Oft tarnen sich hinter Markennamen mit regionalem Bezug Produktionswege, die nicht selten bis nach Fernost zurückverfolgt werden können. Und auch wenn der Deklaration nach das eigene Heimatland der vermeintliche Ursprungsort sein könnte, verstecken sich hinter dieser Kennzeichnung hin und wieder Lieferwege von mehreren hundert Kilometern.

Grundsätzlich lohnt es sich also immer, die lokalen Landwirte direkt zu unterstützen und den Gang in den Supermarkt durch einen Spaziergang über den Wochenmarkt zu ersetzen. Neben der Nähe zu den örtlichen Kleinbauern spielt dort auch die Saisonalität eine entscheidende Rolle. Denn so lecker Erdbeeren auch sein mögen, im Sommer schmecken sie doch am besten.