Ein neumodisches Getränk namens Goldene Milch macht aktuell die Runde und ist auf immer mehr Karten nachhaltiger und hipper Cafés zu finden. Ein Name, der unglaublich pathetisch klingt – doch was steckt hinter dem Hype? Handelt es sich etwa um einen Trank, der uns in die Fußstapfen Vasco da Gamas treten und das Geheimnis der ewigen Jugend entschlüsseln lässt? Oder ist die Aufregung rund um das kreative Heißgetränk reiner Humbug?

Bei der Goldenen Milch handelt es sich natürlich nicht um irgendein Heißgetränk. Sie steht im Ruf antioxidativ, entzündungshemmend und ein wahrer Schlankmacher zu sein. Das Geheimnis dieses Superdrinks: die (nicht mehr ganz so) mysteriöse Zutat Kurkuma. Das auch unter dem weniger attraktiven Namen Gelbwurz bekannte Ingwergewächs blickt bereits auf eine lange Historie in der traditionell chinesischen Medizin zurück. Und auch in Indien wird die Knolle nicht nur als Färbungsmittel für bunte Currys gefeiert. Wegen ihrer Heilkräfte steht sie in der ayurvedischen Praxis hoch im Kurs. Hierzulande ist Kurkuma mittlerweile in jedem gut sortierten Supermarkt erhältlich; ob frisch oder pulverisiert. Die verstärkte Nachfrage entwickelte sich in Folge zahlreicher Studien, in diesen der isolierte Wirkstoff Curcumin wegen seiner entzündungshemmenden Wirkung angepriesen wurde. Lediglich eine von zahlreichen Eigenschaften, die Grund genug geben, die Wunderknolle mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Was unter der Schale steckt

Studien spielen bekanntermaßen eine ausschlaggebende Rolle bei der Entscheidung, welche Nahrungsmittel gerade trendy sind und welcher eher nicht. So bestätigten beispielsweise Metaanalysen aus dem Jahre 2015 die förderliche Wirkung des in Kurkuma enthaltenen Wirkstoffes Curcumin für den Spiegel körpereigener Antioxidantien. Wer außerdem nach einer reichhaltigen Mahlzeit unter einem unangenehmen Völlegefühl leiden sollte, dessen Beschwerden lassen sich bereits mittels einer kleinen Dosis Kurkuma lindern.  

Die Liste an positiven Effekten von Curcumin lässt sich scheinbar endlos fortführen. Die regelmäßige Einnahme hochkonzentrierter Kurkumakapseln soll den Demenzeffekten von Alzheimer entgegenwirken. Mittels entzündungshemmender Eigenschaften kann so die Leistungsfähigkeit des Gedächtnisses auch im hohen Alter gefördert werden. Und selbst in der Krebstherapie wird den kurativen Inhaltsstoffen der Wunderknolle die Fähigkeit zugeschrieben, das Wachstum von Krebszellen zu einzudämmen.

Was es sonst noch zu erwähnen gibt? Zum Beispiel das Potential, den Cholesterinspiegel zu senken oder die schmerzlindernde Wirkung bei degenerativen Gelenkerkrankungen wir Arthrose. Nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle gesagt, dass besonders bei schwerwiegenden Erkrankungen die Einnahme von Curcumin keinesfalls eine medikamentöse Behandlung ersetzen kann. Vielmehr sollten beispielsweise Kurkumakaspeln als unterstützende Präparate verstanden werden.

Die Dosis macht’s

Auch wenn Kurkuma als wahres Allheilmittel erscheinen mag, gibt es bei der Einnahme des Ingwergewächses einiges zu beachten. Die Knolle an sich, ob pulverisiert oder frisch, ist im Grund genommen nicht wasserlöslich. Die Folge: die in Kurkuma enthaltenen Wirkstoffe werden binnen kürzester Zeit von der Leber abgebaut und drehen nur eine kleine Runde im Blutkreislauf. Laut Empfehlungen der WHO sollte der Konsum also bei 3 Gramm des Produkts pro Tag liegen, um langfristige Ergebnisse zu erzielen. Sogenannte Bioenhancer können hingegen die Verfügbarkeit von Curcumin verstärken. Der in Pfeffer enthaltene Wirkstoff Piperin erhöht beispielsweise die Chancen, essentielle Nährstoffe im Körper aufzunehmen um ein 20-faches. Ähnlich verhält es sich mit Fetten, womit auch die Goldene Milch wieder ins Spiel kommt. Basierend auf den Zutaten Kurkumapulver, Milch (gerne kann auch auf eine pflanzliche Alternative zurückgegriffen werden) und Kokos- beziehungsweise Mandelöl schmieren die Fette den Weg des Curcumins hinein in die Blutbahn.

Die Goldene Milch unterstützt die Verarbeitung des Inhaltsstoffes Curcumin durch den Körper

Einfacher wäre da selbstverständlich die Einnahme von hochkonzentrierten Kurkumakapseln. Aber auch hier zählt die natürliche Herkunft. Oftmals werden Präparate mit chemischen Zusatzstoffen „gepanscht“, die den körpereigenen Heilprozess nicht unbedingt unterstützen. Zudem ist die Dosierung des Curcumins teilweise ungenügend, sodass die Wirksamkeit der Produkte kaum nennenswert ist.

Das Wichtigste in Kürze

Besonders für kleinere Beschwerden wie Magenverstimmungen erweist sich Kurkuma stets als bewährtes Hausmittel. Hinsichtlich seiner potentiellen Risiken ist die Einnahme des Gewürzes absolut unbedenklich. Sämtliche Verheißungen bezüglich der Behandlungseffekten von schwerwiegenderen Krankheiten wie beispielsweise Krebs sind jedoch immer mit Vorsicht zu genießen. Da Studien teilweise auf Experimenten an Tieren basieren, lässt sich die exakte Wirkung von Kurkuma nicht immer mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit festlegen. Je nach Krankheitsbild sollte so die medikamentöse Einnahme des Wirkstoffs Curcumin immer in Absprache mit dem Arzt erfolgen. Für den Alltag eignen sich dann doch vielmehr mit Kurkuma angereicherte Gerichte oder Getränke – wie beispielsweise der Vebap. Denn diese sind nicht nur kleine Gesundheits-Booster, sondern schlicht und einfach auch noch lecker.